Wunderbare Brotvermehrung

image-8744927-00_Wunderbare_Brotvermehrung.jpg
Die wunderbare Brotvermehrung (Gemälde von Giovanni Lanfranco)
40/41 nach Christus

Hungersnot in Palästina, Hilfe durch Helena, Königin von Adiabene



WUNDER JESU





Die Evangelien und einige später entstandene Apokryphen erzählen von Wundertaten Jesu in Galiläa, Judäa und Jerusalem.

Diese von Urchristen verfassten Texte verkündigen damit Jesus Christus als Sohn Gottes, sind also Glaubensaussagen über ihn. Die historische Jesusforschung geht davon aus, dass tatsächliche Heilungen Jesu einige der ältesten Wundererzählungen veranlassten und diese später legendarisch vermehrt wurden.

Markusevangelium: In jenen Tagen war wieder eine grosse Volksschar da und hatte nichts zu essen. Da rief er die Jünger zu sich und sagte zu ihnen: «Mich erbarmt des Volkes. Schon drei Tage harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause gehen lasse, so werden sie unterwegs erliegen; manche von ihnen sind weit hergekommen.» Seine Jünger erwiderten ihm: «Woher soll man diese Leute hier in der Wüste mit Brot sättigen können?» Er fragte sie: «Wieviel Brote habt ihr?» Sie sagten: «Sieben.» Nun hiess er das Volk sich auf dem Boden lagern. Dann nahm er die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern zum Vorsetzen. Und sie setzten sie dem Volk vor. Sie hatten auch einige Fischlein. Er segnete sie und liess auch sie vorsetzen. Sie assen und wurden satt. Und sie hoben von den übriggebliebenen Stücken noch sieben Körbe auf. Es waren gegen viertausend. Da liess er sie weggehen. Alsbald stieg er mit seinen Jüngern in das Boot und fuhr in die Gegend von Dalmanutha.

Bei dem Jahr 40/41 handelt es sich um ein Sabbatjahr, in dem eine messianisch aufgeheizte Stimmung herrscht, und in dem nach der Torah nicht gesät werden darf, was regelmässig zu Hungersnöten führt. Obwohl hohe Zeit zur Aussaat ist, bestellen die Juden das Land nicht.

In dieser Zeit «kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochia herab. Einer aber von ihnen, mit Namen Agabus, stand auf und zeigte durch den Geist eine grosse Hungersnot an, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte; sie trat auch unter Claudius ein. Sie beschlossen aber, dass, je nachdem wie einer der Jünger begütert war, jeder von ihnen zur Hilfeleistung den Brüdern, die in Judäa wohnten, etwas senden sollte; das taten sie auch, indem sie es durch die Hand des Barnabas und Saulus an die Ältesten sandten.»

Von offenbar derselben Hungersnot spricht auch Josephus: «Den Bewohnern von Jerusalem aber konnte nichts erwünschter sein, als Helenas Ankunft. Denn Hungersnot bedrückte ihre Stadt, und da viele Bürger aus Mangel an Lebensmitteln umkamen, schickte die Königin einige aus ihrem Gefolge nach Alexandria, um grosse Mengen Getreide dort zu kaufen, und andere nach Cypern, um ganze Schiffsladungen Feigen herbeizuschaffen […]. Auch ihr Sohn Izates säumte nicht, als er von der Hungersnot Kunde erhielt, an die Vornehmsten in Jerusalem grosse Geldsummen zu senden, welche unter die Darbenden verteilt wurden und viele vom Hungertod erretteten.»

Das Regenwunder des Publius Petronius
Petronius Einsehen in die Not der Juden wird durch ein Regenwunder belohnt: «Gott aber bewies dem Petronius, als er auf diese Weise die Menge ermutigt hatte, seine Gegenwart und Macht. Kaum nämlich hatte er seine Rede an die Juden beendigt, als Gott wider alles Erwarten einen heftigen Platzregen niederfallen liess, obgleich der Tag heiter gewesen war und keine Vorboten von Regen sich am Himmel gezeigt hatten. Die Juden waren umso mehr erstaunt, als das ganze Jahr hindurch Dürre geherrscht hatte, sodass man allseitig selbst dann nicht auf Regen hoffte, wenn der Himmel einmal mit Wolken überzogen war. Als daher gegen alle Erwartung der reichliche Platzregen niederging, gaben sich die Juden der Hoffnung hin, dass des Petronius Fürbitte für sie nicht vergeblich sein werde. Auch Petronius selbst war aufs höchste betroffen, als er sah, wie Gott sich der Juden annahm und seine Gegenwart so deutlich offenbarte, dass niemand, wenn er auch gewollt hätte, dieselbe verkennen konnte. Er berichtete das auch an Gajus.»

Ein Regenwunder bestätigt das Verhalten des Petronius. In den Augen des Juden Josephus rückt der römische Landpfleger damit in die Nähe des Propheten Elija.

Als die grosse Hungersnot im Land herrscht, schreibt man die Jahre 40 und 41 sowie 45 und 46. Nach dem Neuen Testament ist Jesus bereits viele Jahre tot. Warum lassen die Evangelisten Jesus trotzdem selbst in das Geschehen eingreifen?