Was spricht gegen die Existenz Jesu?

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Gemälde von Adolphe-William Bouguereau
Ein längerer Passus bei Josephus, das «Testimonium Flavianum», wurde früher für bedeutsam gehalten, weil dieser jüdische Historiker angeblich lobende Worte für «Christus» fand. Aber es gilt schon seit etlichen Jahrzehnten nach Meinung fast aller Experten als christliche Fälschung. Allenfalls erwähnt Josephus den «Christus» an dieser und an einer anderen Stelle so beiläufig und wertfrei wie Johannes den Täufer.

Die Römer Tacitus, Sueton und Plinius der Jüngere gaben in der Zeit von 105 bis 122 nur wieder, was damals – etwa 75 bis 90 Jahre nach dem Tode Jesu – Christen über ihren Herrn erzählten.

«Die grosse Weltgeschichte nimmt von Jesus kaum Notiz», sinnierte der römisch-katholische Theologe, Bibelwissenschaftler und Professor für Neues Testament und Didaktik an der Universität Bielefeld; «kaum» dürfte auch noch übertrieben sein. Sie nahm ihn nämlich gar nicht wahr.

«Und war Jesus wohl 30 Jahre alt, als er anfing, durch Galiläa zu ziehen?», fragt Augstein. «Das steht so im Lukas-Evangelium; wahrscheinlich aber nur deshalb, weil laut Altem Testament David mit 30 Jahren König wurde und man den angeblichen David-Nachfahren Jesus im selben Alter als Messias auftreten lassen wollte.

Dass Jesus nur ein Jahr umherzog, legen die drei älteren, die sogenannten synoptischen Evangelien Markus, Matthäus und Lukas nahe, mindestens zwei Jahre lässt das Johannes-Evangelium vermuten.»

Rudolf Augstein schreibt in seinem Buch Jesus Menschensohn: «Kein Wort eines zeitgenössischen nichtchristlichen Schriftstellers ist überliefert, das von Jesu Wirken und Tod berichtet, obwohl doch, nach den berichteten Wundern zu urteilen, der Eindruck auf die Zeitgenossen in Jerusalem nachhaltig und einschneidend hätte sein müssen.

Auch das Todesjahr ist ungewiss. Gestorben ist Jesus spätestens 36 nach Christus, denn da endet die zehnjährige Amtszeit des römischen Prokurators Pontius Pilatus. Die Mehrheit der Exegeten hat sich für das Jahr 30 nach Christus entschieden, ohne dass für dieses Jahr wesentlich triftigere Gründe sprechen als für einige andere. Angemessener wäre es, die Amtszeit des Pilatus als den Zeitraum zu nennen, in dem Jesus irgendwann gestorben sein könnte.»