Einzug in Jerusalem

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39/40 nach Christus




EINZUG IN JERUSALEM

Philon von Alexandria (Apostel Simon Petrus)


Tiberius Iulius Alexander (Sohn) (Apostel Jakobus der Jüngere)

Marcus Iulius Alexander (Apostel Johannes und Evangelist Markus)



Im Jahr 40 n. Chr. lädt Kaiser Caligula den König von Mauretanien, Ptolemaeus, nach Rom ein. Die Römer kennen den Enkel von Marcus Antonius und Kleopatra und empfangen ihn mit stürmischem Jubel. Die Quellen berichten von Neidgefühlen des Caligula, welche der eindrucksvolle Auftritt des Königs im Amphitheater auslöst.

Markus-Evangelium: Als sie sich Jerusalem näherten, bei Bethphage und Bethanien am Ölberg, entsandte er zwei seiner Jünger mit dem Auftrag: «Geht in das Dorf, das vor euch liegt. Gleich am Eingang werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch niemand gesessen hat. Bindet es los und bringt es her. Und sollte euch jemand sagen: Was macht ihr da? So antwortet: Der Herr bedarf seiner und schickt es alsbald wieder hierher.» Sie gingen hin und fanden das Füllen draussen am Weg an einer Tür angebunden und banden es los. Einige, die dort standen, fragten sie: «Was macht ihr da, dass ihr das Füllen losbindet?» Sie antworteten, wie Jesus geboten hatte. Da liess man sie gewähren. Sie brachten nun das Füllen zu Jesus, legten ihre Kleider darüber, und er setzte sich darauf. Viele bereiteten ihre Kleider auf den Weg aus, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern geschnitten hatten. Die vorauszogen und die nachfolgten, riefen laut: «Hosanna! Gepriesen sei, der da kommt, im Namen des Herrn! Gepriesen sei das kommende Reich unseres Vaters David! Hosanna in der Höhe!» So zog er nach Jerusalem in den Tempel. Er sah sich alles ringsumher an und ging, da es schon Abendzeit war, mit den Zwölfen hinaus nach Bethanien.

Wie sah Jesus eigentlich aus? «Kein Wort steht darüber im Neuen Testament», stellt Rudolf Augstein fest. «Die ersten Kirchenväter bezogen eine Passage über einen leidenden Gottesknecht im Alten Testament auf ihn und übernahmen auch die Beschreibung, dass "seine Gestalt hässlicher war als die anderer Leute". Aber lange mochte man dabei nicht bleiben. Schon vom dritten Jahrhundert an war Christus nur noch schön.»

«War Jesus verheiratet?», fragt Augstein weiter. «Seine Ehefrau könnte, wenn wir uns an die Bibel halten, nur Maria Magdalena gewesen sein. Auf keine andere Spur setzen uns die Evangelien, wenn überhaupt auf eine. Darüber ist sehr viel geschrieben und spekuliert worden; es gibt alle Varianten der Zuordnung, vom Groupie im Musical "Jesus Christ Superstar" bis zur verlassenen Ehefrau. Maria Magdalena scheint eine treue Gefolgsfrau gewesen zu sein, ob sie mehr war oder sein wollte, wissen wir nicht. Wir hätten auch nichts davon, selbst wenn wir es wüssten.»

Wie lebte Jesus? «Ohne festen Wohnsitz, ohne geregelten Broterwerb und ohne familiäre Bindung», schreibt der Kieler Exeget Becker. Mit seinen Jüngern bildete er «eine Gruppe mit sozial abweichendem Verhalten», meint der Heidelberger Gerd Theissen. Christoph Burchard, ein anderer Neutestamentler, nimmt an, dass sich die Gruppe «durch Einladungen und Spenden unterhalten» habe; «dass sie gebettelt haben, ist nicht überliefert». Folgt man dem Evangelisten Lukas, liess Jesus sich von vermögenden Frauen aushalten: «... und viele andere dienten ihm mit ihrer Habe».

«Zum kargen Leben des "Herrn" will nicht so recht passen, dass Jesus angeblich als "Fresser und Weinsäufer" galt; seine Gegner sollen ihn so beschimpft haben. Heute ist das ein Lieblingszitat der Theologen, weil sie ihn damit volksnäher – nicht als Exorzisten und Wundertäter – präsentieren können», schreibt Rudolf Augstein. «Kann entwirrt werden, was die Anhänger des gestorbenen und nach ihrer Ansicht auferweckten oder auferstandenen Jesus sich zurechtgeglaubt haben, entwirrt werden von dem, was er war und von sich selber hielt? Genau das scheint unmöglich.»

Das Geheimnis natürlicher Anziehung eines Menschen auf andere Menschen ist nicht nur sein Aussehen, sein Alter oder sein Reichtum, sondern vor allem sein Verhalten! Aber können Autorität, Selbstsicherheit, Wissen und Überheblichkeit, die in jener Zeit ausschliesslich die Mächtigen besitzen, auch dem Sohn eines einfachen Zimmermanns aus Nazareth in die Wiege gelegt worden sein? Das Verhalten Jesu deutet eher auf einen Mann hin, der in der Gesellschaft der Mächtigen gross geworden ist, diese Mächtigen aber nicht akzeptiert.

Jesus verteidigt die Kleinen, die Demütigen, die Armen, Menschen, die verachtet werden und wenig Rechte haben. Er verkehrt, speist und geht zu ihnen und setzt sich so der strengen Kritik der religiösen Führer aus. Er lässt sich nicht von Vorurteilen seiner Epoche beeinflussen.

Jesus verweist seine Widersacher auf ihren Platz und zögert nicht, sie an ihre Heuchelei und ihre Wortbrüchigkeit zu erinnern. Wenn er dagegen die Schwäche von Sündern sieht, zeigt er grosses Mitgefühl und verteidigt sie.

Jesus ist für die Menschen zugänglich, niemand wird abgeschoben. Seine ganze Aufmerksamkeit richtet er auf das Leid der Menschen. Er sieht mit Mitleid auf die Blinden, Kranken, Krüppel und Gelähmten.

Jesus ist gütig, er teilt mit den Menschen die Sorgen des Alltags. Sei es die Besorgnis der Frau, die ihr verlorenes Geldstück sucht, der Schäfer, der sein verirrtes Schaf sucht oder der ungebetene Freund, der nachts an die Tür seines Freundes klopft, weil er kein Brot mehr hat, um seinen Gast zu empfangen.

Als er einer Frau begegnet, die ihr Kind verloren hat, teilt Jesus ihren Schmerz. Er weint am Grab seines Freundes Lazarus.

Jesus hat Worte von aussergewöhnlicher Zartheit für die junge Frau, die gerade ein Kind geboren hat. Die Kinder nimmt er in seine Arme, drückt sie an die Wangen und küsst sie. Er ist jedem Menschen nahe, ganz besonderes den Unscheinbaren.

Er lässt sich nicht durch seine Feinde beirren als sie ihn fragen: «Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen?» «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist», ist seine unerwartete Antwort.

Man führt Jesus eine Frau vor, die zur Steinigung verurteilt ist. «Was ist zu tun?», fragen ihn die Menschen. Seine Antwort ist voll göttlicher Weisheit: «Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie».

Jesus tritt den Vorurteilen seiner Zeit selbstbewusst entgegen. Seine Autorität beeindruckt. Wenn sich die Menschen auf die Schrift beziehen, spricht Jesus in seinem eigenen Namen: «Man hat euch gesagt ... ich aber sage euch ...» Niemals hat ein Mensch so gesprochen wie dieser Mensch.

Für mich zeichnet sich ein Bild für Jesu Charakter ab. Es zeigt einen Mann, der die Macht hat, so zu sprechen und zu handeln. Ein wichtiger Charakterzug Jesu ist es, seine Stellung nicht auszunutzen und auf die Menschen einzugehen. Aber welche Stellung hat dieser Mensch inne? Es ist unwahrscheinlich, dass er als Sohn eines Zimmermanns eine solche Bewunderung über die abgeschiedene Provinz Judäa hinaus im ganzen Römischen Reich findet. Wenn ich ein unbeteiligter Beobachter wäre, würde ich sagen: «Hier mischt sich ein König unter das Volk.»